Anlagestrategie in unruhigen Zeiten


Geht es um Geld, womöglich sogar um sehr viel Geld, ist strategisches Handeln unabdingbar. Doch das lässt sich leichter behaupten als begründen. Was bedeutet Anlagestrategie eigentlich? Für den durchschnittlichen Deutschen ist sie die Verteilung der Ersparnisse auf Einzahlungen in die gesetzliche Rente, auf Konten, Lebensversicherungen, Fonds und gegebenenfalls eine selbst genutzte Immobilie. Dagegen bedeutet sie für den klassischen Multimillionär: Immobilien (auch und vor allem zur Vermietung), Aktien(fonds), mehrere Konten (auch im Ausland) und Steueroptimierung. Zwischen Herrn/Frau Durchschnitt und Genosse Millionenprotz klafft eine große Lücke, in der sich ein munteres Völkchen angesiedelt hat, vom Fan eines hohen Bargeldbestands bis zum Spekulanten mit Optionen und sonstigem Teufelszeug.

Alle Anlegertypen sind mit einem Umfeld konfrontiert, das es in sich hat: Aufgrund einer Studie des Feri Cognitive Finance Institute umfasst es im harten Kern sechs und im erweiterten Teil mehr als fünf Dutzend Einflüsse auf das Vermögen der Anleger. In Anbetracht dessen sollten sich die vielen Börsenjournalisten, die täglich nichts anderes tun, als den Dax zu kommentieren, wirklich schämen. Und Banker, die ihre Kunden immer wieder penetrant mit undurchsichtigen Anlagen konfrontieren, erst recht.

Laut Feri besteht der harte Kern aus diesen Komponenten: Wirtschaft, Finanzsystem, Umwelt, Politik, Gesellschaft und Technik. Dahinter verbergen sich jeweils verschiedene Untergruppen, zum Beispiel hinter dem Finanzsystem die Staatsverschuldung und die Notenbanken, hinter der Politik die EU und der Populismus, hinter der Technik die Blockchain und die Künstliche Intelligenz. Damit nicht genug, auch hinter den Untergruppen geht es munter weiter. Dazu folgen hier Komponenten, die aktuell für die Anlagestrategie ausschlaggebend sind: finanzielle Repression, Systemkrisen, Konflikte, Disruption, Brexit, China, Börse.

Mal gewinnt die eine Komponente an Bedeutung, mal die andere – wobei zu unterscheiden ist, für wen. So mag der Ausgang der Zwischenwahl in den USA für die dortigen Republikaner und Demokraten von noch so großer Bedeutung sein, weil er die Nation spaltet. Aber aus Anlegersicht bleibt eher festzuhalten, dass die amerikanischen Börsianer Donald Trump offenkundig so gern mögen, dass sie die Kurse ihrer längst überbewerteten Aktien zunächst weiter nach oben schicken.

Nun braucht man sich nur noch vorzustellen, wie viele Stunden private Anleger täglich benötigen, allein um sich durch die für sie wichtigen Einflussfaktoren durchzukämpfen und danach zu einer Entscheidung zu kommen. Und wie steht es um Fondsmanager? Sie sind nicht minder beansprucht, müssen sie doch außerdem noch darauf achten, dass ihre Fonds nicht zu den Schlusslichtern der jeweiligen Peer Group gehören, und darauf, dass sie über genügend liquide Mittel verfügen, um abtrünnige Anleger auszahlen zu können.

Da der heutige Beitrag die Anlagestrategie in unruhigen Zeiten zum Thema hat, erscheint es jetzt sinnvoll, nach den grundsätzlichen Überlegungen den Fokus auf mögliche Unruhen und ihren Einfluss auf die Anlageklassen zu richten. Bleiben wir bei Feri, so kann es zusätzlich zu den schon genannten Einflussfaktoren auch durch die folgenden unruhig werden: Verschuldung, Klimawandel, Demografie, Protektionismus, Robo-Advisors, Euro-Ende, Terror u.a.

Zweifellos können diese Einflüsse einen Crash bei Aktien auslösen. Doch das ist nicht alles. Und darüber hinaus? Sicher ist nichts. Folglich erscheint es ratsam, Vermögen – unabhängig davon, wie hoch es ist – mindestens zu streuen. Das bedeutet aus Sicht privater Anleger in der Regel: Konto, Lebensversicherung und so weiter (s. einleitende Bemerkungen). Und weil es keine allseits anerkannte Schule zum Erlernen der Anlagestrategie gibt, wird es wohl dabei bleiben.

Dennoch sollte niemand verzweifeln, denn die beste Schule ist die eigene Erfahrung. Sie entspricht zwar dem Sprung ins kalte Wasser, aber auf dem Trockenen ist noch niemand zu einem ansehnlichen Vermögen gekommen. Vor dem Sprung empfehlen sich – neben analytischem Denken und peniblem Beobachten der Finanzmärkte – Überlegungen zum Timing. Das ist eine schwierige Aufgabe. Denn was oben ist wie etwa die Kurse der meisten amerikanischen Aktien, muss nicht zwangsläufig von heute auf morgen fallen. Und was unten ist, wie der Goldpreis, braucht unter Umständen noch Monate, um sich zu berappeln. Allemal ist Geduld gefragt. In diesem Sinn viel Glück!


Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: China macht uns arm