Das Wort zum Wochenende: Die nächste Ökowelle rollt


Eine meiner Tätigkeiten besteht darin, Anlagestrategen über die Schulter zu blicken. So wie zuletzt am vergangenen Freitag bei der Fondsgesellschaft ACATIS geschehen. Um die interessanteste Nachricht von dort gleich vorwegzunehmen: Die Kurse amerikanischer Aktien hängen zum Großteil davon ab, dass die Unternehmen ihre eigenen Aktien kaufen. In Zahlen ausgedrückt: Von 2014 bis 2018 beliefen sich solche Käufe auf 2.452 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Private Anleger waren in dieser Zeit nur mit 223 Milliarden Dollar als Käufer dabei, Lebensversicherungen sogar nur mit 61 Milliarden Dollar.

Die Unternehmen entziehen also sich selbst einen Teil ihrer Kapitalbasis. Dafür steigen im selben Atemzug ihre Gewinne je Aktie, weil die Gewinne sich über weniger Aktien verteilen. Eine Folge: Manager, deren flexible Vergütung von den Aktienkursen abhängt, profitieren von dieser Entwicklung. Eine weitere Folge: Je mehr das Kapital schrumpft, desto weniger steht es für Investitionen zur Verfügung.

Börsianer finden für jeden Pott einen Deckel. So geschehen mit der modernen monetären Theorie (MMT). Auf den Punkt gebracht: Sie dient zur Rechtfertigung immer höherer Schulden. Das bedeutet im Einzelnen: Die Trennung zwischen Geld- und Fiskalpolitik wird aufgehoben und der Zins bei Null fixiert. Der Staat macht immer so hohe Defizite wie nötig, um Vollbeschäftigung zu gewährleisten. Unterstützer sind unter anderem Präsidentschaftsanwärter Bernie Sanders und Hedgefonds-Manager Ray Dalio. Quantitative Easing ist MMT durch die Hintertür. Kritiker wie die Professoren Larry Summers und Paul Krugman sehen die Gefahr einer Hyperinflation.

ACATIS sieht sich mit der folgenden Entwicklung konfrontiert: Jedes Land maximiert seinen Vorteil, Rezession droht. Es wird zu wenig investiert. Die Weltwirtschaft wird immer mehr von wenigen Unternehmen beherrscht. Die technologischen Umbrüche sind atemberaubend. Die Umweltprobleme werden immer deutlicher. Die ACATIS-Antwort darauf: Durch kluges Investieren kann es gelingen, Umweltprobleme nachhaltig anzupacken und damit Geld zu verdienen.

Wo und wie packt man an? Zunächst muss man sich mit den folgenden Widersprüchen auseinandersetzen: 800 Millionen Menschen sind unterernährt, zwei Milliarden Menschen übergewichtig. 30 Prozent der Lebensmittel werden weggeworfen. Die Landwirtschaft ist verantwortlich für 70 Prozent des Frischwasserverbrauchs und 23 Prozent der Treibhausgase. Nachhaltig produziertes Rindfleisch verbraucht immense Ressourcen. Windkraftwerke werden gegen Bezahlung abgeschaltet, weil zu viel Strom produziert wird.

Ansatzweise gibt es bereits Möglichkeiten, um Widersprüche aufzulösen. Ein Beispiel: Durch biotechnisch hergestellte Futterzusatzstoffe können Methanemissionen von Kühen um 25 Prozent gesenkt werden. Noch ein Beispiel: Da Wind- und Sonnenenergie nur ungleichmäßig zur Verfügung stehen, sollte man sie zwischenspeichern, statt sie abzuschalten oder zu exportieren.

Investoren, die auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz setzen, finden zum Teil schon ein Umfeld vor, das hoffen lässt. Zwar mangelt es in Deutschland wie auch im übrigen Europa noch an Vorgaben vonseiten der Politik, aber es gibt schon eine Vielzahl von Technologien, auf die zu setzen sich lohnt, weil sie zweistellige Wachstumsraten versprechen und zum Teil sehr hohe Margen bieten. Sind die Aktien der entsprechenden Unternehmen börsennotiert, ist ihre Bewertung in so manchem Fall noch recht niedrig.

Wer an weiteren Details interessiert ist, kann auf der Internetseite www.acatis.de mehr erfahren. Viele zusätzliche Denkanstöße finden sich in der gerade erschienenen 53-seitigen Schrift „Nachhaltig in die Zukunft“. Deshalb sei hier zum Abschluss aus ihr ein Passus zitiert, der sich mit einem aktuell heiß diskutierten Thema beschäftigt: Mikroplastik.

„60 Prozent der Kleidung enthalten Kunstfasern. Bei einem einzigen Waschgang einer Fleecejacke werden bis zu einer Million Fasern freigesetzt. Jährlich gelangen 30.000 Tonnen Synthetikfasern durch Waschmaschinen ins Abwasser. In den nächsten 30 Jahren werden allein durch die Wegwerfmode geschätzt 22 Millionen Tonnen davon in die Ozeane hineingewaschen.“


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