Das Wort zum Wochenende: Nehmen Sie Pharma, E-Autos und Sicherheit ins Visier


Wie kommt es, dass die gängigen Medien das Geschehen an den Börsen nur lieblos kommentieren, von Fall zu Fall sogar bewusst ignorieren? Was nützt es Anlegern, wenn sie in wenigen Worten den Dax rauf und runter kommentiert bekommen, ohne dass sie daraus den geringsten Nutzen ziehen können? Warum widmen die Medien vor allem der Geldpolitik der EZB – wie zuletzt am vergangenen Donnerstag geschehen – umfangreiche Kommentare, statt mehr auf die Folgen für Aktionäre einzugehen, obwohl der EZB-Rat nichts geldpolitisch Erwähnenswertes beschlossen hat? Weshalb nehmen indirekte Aktienanlagen, wie Aktienfonds und speziell ETFs, in der Börsen-Berichterstattung einen breiteren Raum ein als direkte? Und was veranlasst den Großteil der Medien, dem einen oder anderen Viertelprozentchen an Direktbank-Zinsen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als potenziellen Hundertprozentern an der Börse?

Es gibt genug Gründe, sich über all das aufzuregen – aber auch, es als willkommenen Anlass zu nehmen, sich erst recht mit Aktien zu beschäftigen. Zugegeben, beim aktuell hohen Stand der meisten Kurse sind die Chancen auf Hundertprozenter nicht gerade üppig. Doch weil jeder Aktienkauf und -verkauf ohnehin einer längeren Vorbereitung bedarf, ist das nicht so schlimm. Denn die Vorbereitungszeit sollte sinnvollerweise mithilfe ständiger Beobachtung der Aktienkurse, ergänzt um die Lektüre von Geschäfts- und Zwischenberichten, überbrückt werden. Daraus entwickelt sich erfahrungsgemäß ein gutes Gespür für das Timing des späteren Kaufs oder Verkaufs und für die Qualität der beobachteten Aktien. Zur Kursbeobachtung empfehlen sich die Internetseiten von Direktbanken. Besonders anschaulich: comdirect.de

Nun vom Grundsätzlichen zum Konkreten. Auf welche Aktien sollte man aus heutiger Sicht ein besonderes Augenmerk richten? Ich habe da drei Ideen: Pharma, Elektromobilität und Sicherheit. Diese Auswahl schließt natürlich andere Aktienkategorien nicht aus, seien es Software- oder Alternative-Energien-, Internet- oder sonstige Hightechaktien. Entscheidend ist in allen Fällen, dass man Aktien beim Kauf dort erwischt, wo ihre Kurse eine nach oben gerichtete, möglichst steile S-Kurve zu bilden beginnen. Das trifft in der Regel weniger auf Aktien aus dem Dax als auf Neben- und Spezialwerte zu.

Erfolgversprechende Pharmaaktien zu finden, erscheint für Laien zunächst unmöglich: Wer kann schon beurteilen, welcher Konzern in der Forschung die Nase vorn hat und den nächsten Blockbuster auf den Markt bringt? Doch zum Glück kann man sich mithilfe der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech schlau machen; deren Aktienkurs zeigt nach zwei Jahren Pause wieder leicht aufwärts; das ist ein positives Signal. Zu den Beteiligungen gehören etwa drei Dutzend börsennotierte Spezialisten, an vorderster Stelle Insyte und Celgene, außerdem auch etablierte Konzerne, wie Novo Nordisk und Gilead.

Die Elektromobilität rückt umso mehr ins Visier der Börsianer, je heftiger der Streit über Abgase aus Dieselmotoren tobt. Die derzeitige Diskussion ist verwirrend. Man gewinnt schnell den Eindruck, sie werde eher von Konkurrenten der deutschen Autoindustrie, von Juristen und von Lobbyisten als von Analysten beherrscht. Das sollte Sie jedoch nicht davon abhalten, die Kurse möglicher Profiteure der Elektromobilität ins Visier zu nehmen. Hier sind vier Beispiele: Aumann (Spezialmaschinen), Tesla (Elektroautos), Continental (Zulieferer), BYD (Autos und Batterien).

Zuletzt hat der Aktienkurs von Secunet, einer deutschen Sicherheitsfirma, für Furore gesorgt; er ist steil nach oben geschossen und gehört ebenso auf die Beobachtungsliste wie Verisign, F-Secure, Symantec und Sophos Group. Die Branche ist unter anderem dadurch begünstigt, dass es zuletzt vermehrt Cyberattacken gab, Angriffe auf Rechenzentren von Unternehmen und Behörden, ja sogar auf Anzeigetafeln in deutschen Bahnhöfen. Zu erwarten ist, dass die Aktienkurse sich wegen der aktuell hohen Bewertung erst mal setzen dürften.

Beobachten ist eine Sache, entscheiden eine andere. Deshalb folgt hier noch ein Tipp, der viel mit Psychologie zu tun: Die Gefahr, sich in eine lange beobachtete Aktie mit viel Kursphantasie zu verlieben, ist besonders groß. Da hilft oft ein Trick: Bevor Sie diese Aktie kaufen, verlieben Sie sich in eine andere, danach in noch eine und so weiter. So ersetzen Sie am Ende Phantasie durch Wissen.

Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: Inside EZB – Die ganze Wahrheit