Das Wort zum Wochenende: Geld wird grün


Der Countdown läuft: Bald gibt es grüne Bundesanleihen (auch welche mit Inflationsschutz), Geldmarktpapiere und gegebenenfalls sogar Fremdwährungsanleihen des Bundes. Sie sollen aus einem normalen Teil (wie gängige Anleihen) und einem grünen Teil bestehen. Wobei grün im weiteren Sinn nachhaltig bedeutet und die Verpflichtung des Bundes einschließt, dass dieser Teil entsprechende Investitionen fördert und finanziert, zum Beispiel für saubere Luft oder mehr Bildung.

Die Idee dazu ist nicht neu. Sie reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als Forstbetriebe für jeden gefällten Baum einen neuen pflanzen mussten. Von daher stammt der Begriff nachhaltig. Seitdem kamen und gingen ökologische Bewegungen, in den vergangenen Jahrzehnten intensivierten sie sich sogar. Doch außer viel Idealismus, vereinzelt gelungenen Maßnahmen für mehr Umweltschutz, außer der Patenschaft der Vereinten Nationen für eine bessere Welt, außer der international nicht abgestimmten deutschen Energiewende und außer dem einen oder anderen Klimaschutzabkommen gelang ihnen nicht der entscheidende Durchbruch.

Der kam erst, als immer mehr Politikern klar wurde, dass man mit ökologischen Argumenten Wählerstimmen einfangen kann (deshalb der Siegeszug der Grünen), als Elektroautos auf einmal hip wurden, als Lebensmittelkonzerne und Supermärkte entdeckten, dass sie mithilfe unzähliger Ökosiegel viel Geld verdienen konnten – und als die schwedische Aktivistin Greta Thunberg die Aktion „Fridays For Future“ anführen und dem Papst die Hand schütteln durfte.

Dass Regierungen und Finanzkonzerne die Initiative ergreifen, um das Geschäft mit der Nachhaltigkeit zu forcieren, ist da nur allzu verständlich. So dehnt die deutsche Staatsbank KfW die Finanzierung nach ESG-Kriterien aus (ESG = Envirenment, Social, Governance). Ihr Kriterienkatalog umfasst unter anderem: Umwelt- und Energiemanagement, Klimastrategie, Chancengleichheit, Menschenrechte, Unternehmensethik, Vergütung, Aktionärsstruktur und Steuern – um nur einige hervorzuheben. Zuletzt hat die KfW eine grüne Anleihe über 3 Milliarden Euro emittiert – bei dreifacher Nachfrage.

Nicht schlecht staunten neulich die Besucher des Eigenkapitalforums in Frankfurt, als die noch relativ kleine Umweltbank sich ihnen vorstellte und ein Rating (eine Art Gütesiegel) von BBB+ nachwies. Ratings werden üblicherweise von darauf spezialisierten Agenturen vergeben, wie Standard & Poor's, Moody's oder Fitch. Sie bewerten Staaten und Unternehmen in der Regel nach Bonitätskriterien, bei Staaten beispielsweise nach deren mehr oder weniger hohen Schulden, bei Unternehmen vor allem auch nach der Bilanzqualität. Seit geraumer Zeit machen sich darüber hinaus Agenturen wie MSCI, ISS-oecom, Systainanalytics und einige weutere breit, die ESG-Kriterien ansetzen.

ISS ESG hat neulich eine in deutschen Konzernen heiß diskutierte internationale Studie veröffentlicht, die unter den Dax-Konzernen überwiegend wenig Begeisterung ausgelöst hat. Denn nur die Deutsche Telekom, Henkel und SAP schneiden darin gut ab. Wirecard bildet das Schlusslicht. Tröstlich zu wissen: Der Anteil der Konzerne mit schlechten ESG-Werten ist in den vergangenen sechs Jahren von 53,1 auf 32,3 Prozent zurückgegangen.

Es gibt also noch viel zu tun. Aber es tut sich auch einiges: Zum Beispiel schmeißt der Allianz-Konzern seit 2015 nach und nach solche Unternehmen aus seinen Kapitalanlagen, die ihre Treibhausgas-Emissionen nicht genug senken. Er setzt zunehmend grüne Anleihen ein und hat in seiner Fondsgesellschaft AGI eine neue Managerin eingesetzt, die sich speziell auf nachhaltige Anlagen konzentrieren soll. Der Bosch-Konzern strebt 40 Prozent Ökostrom an. Der Daimler-Konzern richtet sich bei seiner ganzen Lieferkette nach Kriterien der etablierten Umweltschutz-Organisation Carbon Disclosure Project. Und was der Allianz-Tochter AGI recht ist, soll ihrer Konkurrentin DWS von der Deutschen Bank nur billig sein: Die richtet sich nach der Umweltschutz-Agenda 2030 der Vereinten Nationen.

Es sieht ganz danach aus, dass Greta Thunberg mitsamt ihrem Friday-Tross längst nicht mehr allein ist, wenn es darum geht, die Welt lebenswerter zu machen – und dass Staaten wie auch Konzerne erkannt haben, wie viel finanzielles Potenzial hinter der ökologischen Bewegung steckt.


Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: „Rezo“, Greta & Co. sind nicht mehr aufzuhalten