Das Wort zum Wochenende: Dividenden sind nicht alles, Timing muss sein


Wenn es mit den Aktienkursen nicht mehr so richtig weitergehen will, erst recht, wenn sie abzustürzen beginnen, sagen sich viele Anleger: Ich bekomme ja noch eine ordentliche Dividende, was soll mir da schon passieren! Diese Einstellung ist derzeit wieder mal weit verbreitet. Aber sie kann fatal sein. Denn Dividenden sind nicht in Stein gemeißelt, und die nächste Dividendensaison liegt bekanntlich noch ein Dreivierteljahr vor uns. Jedenfalls gilt das für die Mehrheit der Unternehmen, die ihre Aktionäre jeweils im auslaufenden Winter und im Frühjahr am Vorjahreserfolg teilnehmen lassen.

Dividenden werden von den Aktienkursen abgeschlagen. Wenn es also fälschlicherweise immer wieder heißt, Dividenden seien die neuen Zinsen, ist das aus Anlegersicht irreführend. Denn Aktionäre bekommen ihre Ausschüttungen, anders als zum Beispiel die Besitzer von Tages- oder Festgeldkonten, mittels Kursabschlag vorübergehend wieder weggenommen. Dieser Abschlag wird zwar, falls es einem Unternehmen gut geht, im Lauf der Zeit wieder aufgeholt, aber sicher ist das nicht. Und wenn es einem Unternehmen schlecht geht? Dann kann vom Aufholen nicht mehr die Rede sein. Das alles gilt im Prinzip natürlich auch für Dividendenfonds, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, aktuell jedoch ehe enttäuschen.

Stellen Sie sich nun vor, es käme zu einem allgemeinen Kursrückgang. Das kann in den nächsten Monaten oder vielleicht schon Wochen passieren, weil der Handelskrieg, die schlapper werdende Konjunktur und weitere Störfaktoren nicht mehr von der Hand zu weisen sind. Üblicherweise eilen in einem solchen Fall die Aktienkurse der Konjunktur voraus, indem sie auf breiter Front sinken. Dann mögen die Dividenden noch so hoch sein, sie werden durch Kursverluste einfach wegradiert.

So weit die Gesetzmäßigkeiten der Börse, an denen sich im Lauf vieler Jahrzehnte nichts geändert hat. Es gibt indes noch weitere Aspekte, die in diesem Kontext zu beachten sind. Sie haben sehr viel mit dem Timing zu tun, also mit dem zeitgerechten Aktienkauf und -verkauf. Während Dividenden wie erwähnt Anlegern in der Regel nur ein Mal jährlich zufließen, können strategisch orientierte Anleger mit Geschick und Glück Kursgewinne bei bestimmten Börsenkonstellationen zwei bis drei Mal jährlich kassieren – vorausgesetzt, sie bringen das dafür erforderliche Wissen, langjährige Erfahrungen und viel Fingerspitzengefühl mit. Der Vollständigkeit halber seien noch Kurzfrist-Spekulanten erwähnt, die sich dem schnellen Trading verschrieben haben. Sie verwenden überwiegend kurstechnische Indikatoren oder lassen Roboter für sich arbeiten – eine Welt für sich.

Eine weit verbreitete Kennzahl für Daueraktionäre wie auch für Anlagestrategen, die sich dem mittelfristigen Timing verschrieben haben, ist die Dividendenrendite: Dividende je Aktie mal Hundert und das Ergebnis geteilt durch den Kurs. Dieses vielfach verwendete Konstrukt hat allerdings einen Haken: Der Kurs springt dauern hin und her, sodass die Dividendenrendite mit ihm springt. Höchste Dividendenrenditen haben Aktien solcher Unternehmen, deren Kurse im Keller sind – bis es eines Tages heißt, die Dividende müsste aus den und den Gründen gekürzt werden. Oder sie fällt sogar ganz aus.

Es gibt Versuche, die Dividendenrendite mit der Mietrendite zu vergleichen. Oder die aus Dividenden einschließlich der Kursgewinnen fließenden Erträge mit Mieten einschließlich der denkbaren Wertsteigerung von Immobilien. Geht man solchen Spielereien auf den Grund, ist schnell festzustellen, dass die Zahl der in die Rechenbeispiele eingebauten Prämissen gegenüber den Marktfakten bei Weitem dominiert. Und allzu oft geht es nur darum, eine bestimmte Anlageklasse – hier also Aktien oder Immobilien – zu bewerben. Wobei Banken, Sparkassen und Fondsgesellschaften sich speziell für provisionsträchtige Aktienfonds stark machen, während Immobilienmakler und Bauträger besonders gern mit Zahlen aus der Vergangenheit und ihrer Fortschreibung in die Zukunft jonglieren.

Wie immer man das alles dreht und wendet, an einer Erkenntnis kommt man auf keinen Fall vorbei: Ohne Timing geht es nicht, soll sich ein nachhaltiger Anlageerfolg einstellen. Die aktuelle Entwicklung der Aktienkurse liefert dafür ein passendes Beispiel: Sollten sie allmählich abkippen, wäre das ein Verkaufssignal.

Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: Mario der Retter, Jerome der Spielverderber