Das Wort zum Wochenende: Vor dem nächsten Inflationsschub


Seit geraumer Zeit stolpere ich in den Medien wiederholt über einen schillernden Begriff: Inflation. Um gleich in Zahlen zu fassen, worum es geht: Bei 2 Prozent Inflation ist ein Euro nach einem Jahr 98 Cent wert, bei 5 Prozent Inflation– dazu später mehr – nur noch etwas über 95 Cent. Nach zehn Jahren, also einer durchaus überschaubaren Zeit, werden bei 2 Prozent Inflation aus einem Euro 82 Cent, bei 5 Prozent Inflation nur noch gut 61 Cent.

Warum der Begriff schillernd ist, ergibt sich aus seiner vielfachen Verwendung, zum Beispiel als Kern-, schleichende, erwartete oder sogar als gefühlte Inflation. Aber machen wir es uns nicht zu schwer und definieren wir Inflation einfach als Kaufkraftschwund. Das heißt, mit dem 100-Euro-Schein, den Sie heute in Ihrer Brieftasche haben, können Sie je nach Höhe der Inflation in einem Jahr nur noch für 98 Euro (bei 2 Prozent Inflation) bzw. gut 95 Euro (bei 5 Prozent Inflation) einkaufen.

Die aktuelle Diskussion zum Thema Inflation findet vor allem in den USA statt, wo im Januar 2,1 Prozent gemessen wurden. Wichtigster Auslöser ist dort die Dollar-Abwertung: Jeder Prozentpunkt, mit dem der Dollar gegenüber anderen Währungen wie Euro, Yen oder Yuan abwertet, schmälert die Kaufkraft amerikanischer Unternehmen und Verbraucher. Doch während die Unternehmen – zumindest soweit sie die entsprechenden Möglichkeiten haben – ins Ausland ausweichen können, bleibt dieser Weg für amerikanische Verbraucher in der Regel versperrt.

Der Finanzdienstleister Feri hat sich des Themas in einer aktuellen Studie angenommen, indem er zunächst die gängige Argumentation wie folgt aufs Korn nimmt: „Die robuste Wirtschaftsentwicklung treibt die Nachfrage nach Arbeitskräften und damit die Löhne nach oben. Es wird mehr konsumiert, die Unternehmen können die Preise erhöhen.“ Doch dann folgen Gegenargumente: „Hinzu kommt, dass Globalisierung und Digitalisierung die Lohnentwicklung dämpfen. Ein exzessiver Konsumboom aufgrund stark steigender Löhne ist angesichts dessen zumindest vorerst nicht zu erwarten. Auch ein Inflationsschub, der aus Kapazitätsengpässen resultiert, ist derzeit nicht sehr wahrscheinlich.“

So weit die primär auf die USA bezogene volkswirtschaftliche Analyse. Also alles paletti mit der Inflation? Leider nicht, denn sie ist ein komplexes Gebilde. Kommen wir deshalb zur eingangs erwähnten Inflation in Höhe von 5 Prozent. Sie scheint derzeit zwar außer Reichweite zu sein, aber wie die Älteren unter Ihnen vor allem aus den 70er Jahren noch in Erinnerung haben dürften, gab der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt diesen Spruch von sich: „Lieber 5 Prozent Inflation als 5 Prozent Arbeitslosigkeit.“

Über dessen Sinngehalt braucht man nicht lange zu streiten, Schmidt war ja manchmal ein regelrechter Dampfplauderer. Als Tatsache bleibt jedoch festzuhalten, dass es während der 70er Jahre in den großen Industrieländern zeitweise noch höhere Inflationsraten als 5 Prozent gab – und dass sich gewisse Parallelen zwischen der damaligen und der aktuellen Entwicklung anbahnen könnten. Dazu gehört vor allem der undisziplinierte Umgang mit Geld, der die Inflation antreibt. Nur dass es heute anders als in den 70er Jahren nicht mehr so sehr um die Inflation der Konsumgüterpreise, der Preise von Gold, Silber und Rohstoffen geht, sondern die der Aktien, der Immobilien und der sonstigen Sachwerte (oder was man dafür hält).

Ausgerechnet in diese Atmosphäre hinein platzen seit geraumer Zeit Vorschläge von ernst zu nehmenden amerikanischen Experten und Volkswirten des Internationalen Währungsfonds, wie man auf dem Umweg über ein Inflationsziel von mehr als 2 Prozent die Inflation anheizen könnte. Sie haben richtig gelesen: nicht weniger, sondern mehr Inflation.Warum? Weil das von den Notenbanken propagierte Inflationsziel – in den USA und im Euroraum 2 bzw. etwas unter 2 Prozent – sich angeblich nicht nachhaltig einstellen will. Dabei hat die amerikanische Inflationsrate im Januar 2,1 Prozent erreicht. Nebenbei bemerkt: Dass die Aktienkurse derweil trotz zwischenzeitlichem Flash Crash weiter steigen und dass Immobilien den Anbietern förmlich aus den Händen gerissen werden, wird einfach ausgeblendet.

Fazit: Unabhängig davon, wie das 2-Prozent-Plus-Experiment ausgeht, wird es in den USA, später aber auch in Europa zu höheren Inflationsraten kommen. Ist eine solche Entwicklung erst mal voll in Gang, lässt sie sich nicht so einfach aufhalten. Dieser Aspekt wird derzeit von den Notenbankern und erst recht von den Politikern einfach ausgeblendet. Wahrscheinlich ist der jüngste Anstieg der Preise von Gold und Silber schon ein Indiz dafür, dass der nächste Inflationsschub bevorsteht. Und zwar nicht nur in Amerika, sondern global.


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