Das Wort zum Wochenende: Aktien im Visier


Welches Unternehmen ist im internationalen Vergleich das wertvollste, gemessen am Kurswert der von ihm ausgegebenen Aktien? Nach einer aktuellen Studie von Robert Obermaier, Professor an der Uni Passau, der Kultkonzern Apple, gefolgt von der Google-Mutter Alphabet und dem Softwarepionier Microsoft. Vor zehn Jahren sah die Reihenfolge noch so aus: Exxon Mobil (Energie), General Electric (Konglomerat) und Microsoft. Besonders spannend sieht es auf den jeweils nachfolgenden Plätzen aus. So rangiert aktuell bereits auf Platz vier Amazon. Dahinter folgt Facebook. Und auf Platz zehn hat es in kürzester Zeit der besonders umtriebige chinesische Onlinehändler Alibaba geschafft, dessen Gründer Jack Ma, eine Art Popstar seiner Branche, gerade die ganze Szene aufzumischen versucht.

Das alles ist kein Zufall, sondern dem „Megatrend Digitalisierung“ geschuldet, wie Obermaier am vergangenen Montag aus Anlass des dreißigjährigen Jubiläums von Finanzdienstleister Feri betonte. Daraus folgt unter anderem, dass sich „der Druck auf Branchen und Geschäftsmodelle erhöht“ und dass „smarte vernetzte Prozesse etabliert werden müssen“. Dies sollte möglichst in rasender Geschwindigkeit geschehen, weil die Digitalisierung – anders als frühere „disruptive Innovationen“ – exponentiell erfolgt, erkennbar beispielsweise am rasanten Tempo der Nutzung von WhatsApp im Vergleich zu SMS.

Welche Konsequenzen diese Entwicklung für die Geldanlage haben dürfte, erfuhr ich dann am vergangenen Dienstag bei einer Präsentation der Fondsgesellschaften Acatis, DJE und Shareholder Value, exemplarisch dargestellt anhand der Elektromobilität: Die Digitalisierung führt unter anderem dazu, dass die bislang so erfolgreichen deutschen Autokonzerne mitsamt ihren Zulieferern es auf einmal mit Konkurrenten zu tun bekommen, die nicht aus dem unmittelbaren Umfeld der Autoindustrie stammen, sondern – wie Tesla oder BYD – in erster Linie Batterien mit Kunststoff und Metall umhüllen oder – wie Google – mit Suchmaschinen angefangen haben bzw. – wie Infineon – mit Chips groß geworden sind. Für Anleger wird es in den nächsten Jahren also darauf ankommen, die Elektromobilität und die zu ihr passenden Aktien aus verschiedenen Perspektiven zu verfolgen.

Das Schwierige daran ist erstens die passende Aktienauswahl, zweitens das richtige Timing. Wahrscheinlich werden Sie jetzt zu Recht einwenden, das sei an der Börse immer schon so gewesen. Stimmt, jedenfalls grundsätzlich. Doch anders als in den vergangenen Jahrzehnten haben wir es heute, wie bereits erwähnt, mit unglaublich schnellen disruptiven Innovationen zu tun. Das heißt, für Anleger vollziehen sich Aktienauswahl und Timing wegen solcher Innovationen in kürzerer Zeit als früher.

Daraus folgt: Auf der Suche nach vielversprechenden Aktien sind ebenso Eile und Tiefgang geboten wie beim Timing. Aktien kaufen und dann liegen lassen, weil sie am Ende unter dem Strich angeblich immer Anlageerfolge bescheren, diese Denkweise kann schmerzliche Verluste nach sich ziehen. Man denke nur an ehemalige Dax-Mitglieder wie Karstadt und Kaufhof (mittlerweile Spekulationsobjekte von Großinvestoren), MLP (nach kurzem Dax-Besuch für Nicht-Insider in Vergessenheit geraten) oder Deutsche Babcock (erst Größenwahn, dann Pleite).

Eile und Tiefgang bei der Aktiensuche, das kann nur funktionieren, wenn man sich auf vielversprechende Unternehmen und deren Aktien konzentriert. Aber auf welche? Hier sind zunächst ein paar Vorschläge für bestimmte Branchen: Elektromobilität, alternative Energien, Schutz vor Cyberangriffen, Internethandel, Pharma und da speziell Biotechnologie. Der nächste Schritt besteht im Aufspüren entsprechender Aktien – und siehe da, die Fülle erscheint zunächst erdrückend: Sie erstreckt sich von BYD bis Oersted alias Dong, von Secunet bis Alibaba, von Morphosys bis BB Biotech.

Das ist nur ein Bruchteil von infrage kommenden Aktien. Auf den zweiten Blick stellt sich dann auch noch heraus, dass die meisten von ihnen recht teuer sind, jedenfalls gemessen an ihren Kursen. Was also ist zu tun? Der nächstliegende Rat: Gewöhnen Sie sich mindestens an, die Kurse möglichst regelmäßig zu verfolgen, die Ursachen von Kursbewegungen zu erforschen und den Geschäfts- und Zwischenberichten sowie den im Internet frei verfügbaren Informationen fundamentale Daten zu entnehmen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnisse oder Dividendenrenditen.

Das alles kostet zwar viel Zeit, ist aber für Börsenerfolge unabdingbar. Weil das Kursniveau zurzeit recht hoch ist, können Sie sich für die hier vorgeschlagenen Recherchen ruhig einige Monate Zeit nehmen. Dann werden Ihnen auch noch viele weitere Aktien begegnen. Und beherzigen Sie bis auf Weiteres die alte Börsenweisheit: Fange nie ein fallendes Messer das heißt, kaufe nie in fallende Kurse hinein. Daraus folgt: Lassen Sie die Kurse während der nächsten Baisse möglichst tief nach unten sausen, bevor Sie bei Aktien zugreifen, und üben Sie sich bis dahin in Geduld.


Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: Atombombe Brexit, Enteignung auf Raten und Hyperinflation in Japan