Das Wort zum Wochenende: Substanz im Visier


Die Welt schwimmt im Geld. Deshalb lasse ich heute einen weiteren Beitrag zur Anlagestrategie folgen, der sich speziell um dieses Thema dreht. Und zwar unter besonderer Einbeziehung von Gold und Silber. Es gilt nämlich, von den Preisschwankungen der beiden Edelmetalle – und erst recht von den Kursausschlägen der Minenaktien – zu profitieren. Warum? Weil an den Weltbörsen unter Führung der amerikanischen NYSE und Nasdaq gerade ein leichter Mentalitäts- und damit Favoritenwechsel stattfindet: Von Wachstum zu Substanz, unter anderem daran erkennbar, dass zyklische Aktien vorpreschen.

Zugegeben, diese Neuorientierung wurde in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren sogar von dem einen oder anderen anerkannten Anlagestrategen erwartet, ohne dass sie eintrat. Das heißt, immer wieder setzten sich Wachstums- gegen Substanzaktien durch, und die Gewinner hießen regelmäßig Amazon, Apple, Microsoft & Co. Deren Charme besteht nämlich nicht allein darin, dass sie mit einem hohen Umsatz- und Gewinnwachstum glänzen können, sondern auch mit herausragenden Technologien.

Doch nun stoßen ihre Aktien an Bewertungsgrenzen. Eine Folge: Die Geldschwemme ergießt sich in zunehmendem Umfang weniger über sie als über Alternativen: Börsianer entdecken auf einmal in Unternehmensbilanzen die Substanz, zum Beispiel aufgrund der Unterbewertung der Aktiva wegen längst abgeschriebener Anlagen oder Firmenwerte, wegen der von Finanzanalysten zu wenig beachteten schlummernden Patente oder wegen hoher Barbestände. Und weil der Wert von Barem durch die extrem expansive Geldpolitik laufend abnimmt, hält man eben gern Ausschau nach wahren Werten.

Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass im Zuge dieser Entwicklung auch andere wahre Werte in den Vordergrund rücken. Das gilt für Gold und Silber einschließlich Minenaktien, außerdem teilweise für noch nicht zu hoch bewertete Immobilien an Spitzenstandorten. Oder um es plastisch auszudrücken: Wer von der neuen Substanzwelle profitieren will,

greift zu zyklischen, von der demnächst anspringenden Konjunktur profitierenden Aktien wie BASF aus der ersten oder Aurubis aus der zweiten Reihe,

sammelt Krügerrand-, Maple Leaf- und die übrigen Anlagemünzen in Gold und Silber,

studiert gründlich die aktuellen Onlineberichte der in den Indizes XAU und HUI enthaltenen Minenaktien,

verfolgt laufend deren Charts

und klopft wenigstens auf den Busch, um die wahren All-in sustaining costs (Gesamtkosten) im Verhältnis zu den Kursen zu ermitteln. Also alles in allem eine ebenso anspruchsvolle wie auch zeitraubende Aufgabe.

Noch ein paar Anmerkungen zu Immobilien. Die meisten Gewerbeobjekte sind durch Covid-19 schwer in Mitleidenschaft gezogen; ihre Preise müssen sich erst mal auf niedrigem Niveau einpendeln. Das strahlt negativ auf offene wie auch auf geschlossene Immobilienfonds ab. Den Wohnobjekten geht es nicht viel besser, zumal wegen des restriktiven Mietrechts. In dieser Hinsicht haben Politiker und die meisten Interessenvertreter der Immobilienwirtschaft versagt. Wer mit einem Objekt liebäugelt, kann sich im Zweifel also Zeit lassen.

In meinem heutigen Beitrag gehe ich von dem folgenden Szenario aus: Die Aktienkurse nehmen mit ihrem bereits wieder begonnenen Anstieg einen starken globalen Konjunkturaufschwung vorweg (ifo-Prognose: Wirtschaftswachstum nach minus 6,6 Prozent 2020 sage und schreibe plus 10,2 Prozent 2021); die Kurse dürften unter Bevorzugung zyklischer Aktien steigen. Gold, Silber und Minenaktien profitieren weiterhin vom globalen Run, der durch laufende Statistiken des World Gold Council und speziell ETF-Erfolge zusätzlich befeuert wird. Die Immobilienpreise müssen erst mal lange konsolidieren, bevor sie erneut nach oben ausbrechen. Das alles ist nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Aber worin besteht die Alternative? Alles auf sich zukommen lassen? Wohl eher nicht. Vielmehr erscheint es sinnvoll, mit möglichst hohem zeitlichem Aufwand die Initiative zu ergreifen – zumal dem Szenario von 2020 aus Anlegersicht ein weniger freundliches von 2021 folgen dürfte. Letzteres gilt auch für den Fall, dass ifo recht behalten würde. Denn wie beschrieben: Die Aktienkurse nehmen schon im laufenden Jahr so gut wie alles Positive vorweg.


Ab Sonntagmorgen auf www.goldseiten.de : Das Merkel-Macron-von der Leyen-Komplott