Das Wort zum Wochenende: E-Autos gegen Verbrenner, ein langwieriger Umbruch


Wer in diesen Tagen die hitzigen Debatten um Diesel- und Elektroautos verfolgt, gewinnt zwangsläufig den Eindruck, alle Welt diskutiere über etwas Postfaktisches. Da wird abwechselnd mal die Zeit des Diesels für beendet erklärt, mal der Elektromotor als Segen für die Umwelt angepriesen. An den Debatten beteiligen sich vorzugsweise Politiker, Bürokraten, Konzernmanager, Lobbyisten, Professoren und die unvermeidlichen Medien. Heraus kommen dann allerlei sich widersprechende Hochrechnungen, etwa zum Ende des Diesels in zehn oder zur Zahl der Elektroautos in 20 Jahren. Und wer fragt die Ingenieure? Offenbar scheint deren Meinung nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Technologische Umbrüche finden üblicherweise nicht als Revolution, sondern als Evolution statt. Der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommene Rudolf Diesel hatte den von ihm entwickelten Motor schon 1892 zum Patent angemeldet. Dessen massenhafte Verwendung in Pkws setzte erst in den vergangenen Jahrzehnten so richtig ein. Henry Ford ließ als Pionier seine Autos in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts vom Fließband rollen, doch der weltweite Einsatz von Robotern und die Just in time-Produktion ließen danach noch sechs Jahrzehnte auf sich warten.

Was die Beschäftigung mit der Autoindustrie so spannend macht, sind nicht die derzeit vielfach verbreiteten Meinungen, sondern die Fakten. Zum Beispiel, dass nach neueren Berechnungen des ifo Instituts in Deutschland annähernd 460.000 Beschäftigte Produkte herstellen, die überflüssig würden, falls es keine Verbrennungsmotoren mehr gäbe. Unter Einbeziehung von Zulieferern und sonstigen indirekt mit der Autoindustrie verbundenen Branchen dürfte sich die Zahl der betroffenen Beschäftigten sogar auf rund 620.000 erhöhen. Das entspräche nicht weniger als einem Zehntel aller direkt und indirekt von der deutschen Industrie Abhängigen.

Solche Zahlen veranschaulichen mehr als alles andere, warum die Bundesregierung und der Branchenverband VDA allen Dementis zum Trotz wie Pech und Schwefel zusammenhalten: Käme es zu einem erheblichen Absatzeinbruch von Autos mit Verbrennungsmotor, speziell von Dieselfahrzeugen, würde das nicht nur Arbeitsplätze kosten, sondern auch dem Staat weniger Steuern einbringen. Hinzu kommt: Da Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern lediglich aus einem Bruchteil von Komponenten bestehen, könnten beide Effekte – weniger Arbeitsplätze, weniger Steuern – zusammentreffen.

Bei aller Diskussion über die Elektromobilität kommt ein Aspekt viel zu kurz: Dass Strom nicht einfach nur aus der Steckdose stammt, sondern dass er von Kraftwerken geliefert wird, die – international gesehen – zum größten Teil entweder fossile Brennstoffe, überwiegend Steinkohle, oder Atomkraft einsetzen. Die deutsche Energiewende wirkt da eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Nun gibt es zwar die eine oder andere Berechnung zu den Gesamtkosten von Elektroautos unter Einschluss von deren Ökobilanz in puncto Primärenergie sowie Herstellung und Entsorgung von Batterien. Aber ihnen liegen zwangsläufig Annahmen zugrunde, die sich im Nachhinein als falsch erweisen können. Und so müssen wir weiter der Dinge harren, die da noch auf uns zukommen, ohne dass wir auch nur annähernd erfahren, was die Elektromobilität uns – außer dem eingangs erwähnten öffentlichen Palaver – in nächster Zeit sonst noch bringen wird. Nur eines dürfte bereits feststehen: Sie wird nicht als Revolution, sondern als Evolution kommen.

Der Schaeffler-Konzern, zusammen mit Continental ein besonders wichtiger Zulieferer der Autoindustrie, hat sich mal die Mühe gemacht, der Geschichte der Elektroautos auf den Grund zu gehen. Und siehe da, sie reicht bis ins Jahr 1834 zurück, als der Amerikaner Thomas Davenport sein Modell vorstellte. Ein weiterer Meilenstein war 1899 der erste Hybridantrieb. Acht Jahre später landete die Firma Detroit Electric einen Coup: Ihr elektrisches Gefährt mit einer Spitzengeschwindigkeit von 34 Stundenkilometern und 340 Kilometern Reichweite verkaufte sich bis zu 2000 Mal pro Jahr. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Elektroautos trotz zwei Ölkrisen zunächst kein Thema. Seit 1990 experimentierten verschiedene Autokonzerne mit dem Elektroantrieb, wie Opel, Toyota und schließlich Tesla. Letzterer ist gerade dabei, die etablierten Konzerne das Fürchten zu lehren. Es bleibt also spannend – und wird noch lange dauern, bis Elektroautos dominieren.

Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: Kriege, Aktien, Gold, Inflation und Steuern – wie hängst das zusammen?