Das Wort zum Wochenende: Welcher Börsianertyp sind Sie?


Wenn die meisten Börsianer etwas überhaupt nicht mögen, dann sind es Seitwärtsbewegungen der Aktienkurse. Wie zum Beispiel das aktuelle Auf und Ab in geringer Bandbreite. Dabei handelt es sich um eine intellektuelle Herausforderung, einen Anreiz, Aktien gezielt zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen. Doch die wenigsten Börsianer wollen sich dieser Herausforderung stellen, sei es aus Unbedachtsamkeit, Zeitmangel oder schlicht und einfach nur Faulheit. Stattdessen, je nach Anlageziel und Temperament: Ungeduld, schlimmstenfalls sogar Aktienverkäufe kurz vor dem nächsten Kursaufschwung oder Aktienkäufe, falls die Kurse abwärts trudeln.

Charts können bei alldem helfen. Allerdings sollte man sich stets darüber im Klaren sein, dass sie nur die Vergangenheit und die Gegenwart abbilden, nicht dagegen die Zukunft. Immerhin: Sie offenbaren bisherige Verhaltensmuster von Käufen und Verkäufen einer meistens großen Anzahl von Anlegern bis zur Gegenwart. Daraus können sich mal mehr, mal weniger hilfreiche Formationen ergeben, die Trends widerspiegeln.

Es wäre indes leichtsinnig, allein der technischen Analyse zu vertrauen, von der die Interpretation der Charts einen Großteil ausmacht. Folglich empfiehlt sich zusätzlich der Einsatz weiterer Indikatoren. Aber welcher? Konjunkturdaten? Branchenanalysen? Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Eigenkapitalquote? Da kann man nur viel Glück wünschen. Denn in der Regel rechtfertigt das Ergebnis, das dabei herauskommt, nicht den immensen Zeitaufwand, der mit dem Aufstöbern von all diesen Informationen in der Regel verbunden ist.

Was nun? Börsianern mit Hang zum Praktischen ist das alles zu kompliziert, also haben sie sich entschieden: Die einen sind in die Rolle als Daueranleger geschlüpft, sei es mittels eines diversifizierten Aktiendepots, sei es auf dem Umweg über Fonds. Andere haben das entgegengesetzte Extrem gewählt, indem sie zu Daytradern mit täglich Dutzenden oder sogar Hunderten von Aktientransaktionen geworden sind. Zwischen den beiden Extremen pendeln Anleger, die sich mal so, mal anders entscheiden. Allzu oft enthalten ihre Depots eine Mischung aus mehr oder weniger willkürlich zusammengewürfelten Aktien, Fonds, Zertifikaten und sonstigen Wertpapieren.

Vor allem diese Anlegergruppe ist eine leichte Beute für Anbieter von Fonds, seien diese gemanagt oder als ETF zu haben. Das Angebot von Tausenden Fonds ist mittlerweile derart verwirrend, dass niemand mehr durchblickt – es sei denn, er oder sie beschäftigt sich von morgens bis in die Nacht nur mit Fonds. Worin besteht dann für Anleger überhaupt noch der Ausweg? Wie im Rahmen dieser Kolumne schon mehrfach erwähnt: in der möglichst täglichen Beschäftigung mit der eigenen Geldanlage, auch wenn dafür nur fünf oder zehn Minuten zur Verfügung stehen.

Dabei gilt es zunächst, Rahmenbedingungen abzustecken und Ziele für den Umgang mit Geld festzulegen. Während beides noch relativ einfach erscheint, erweisen sich die weiteren Schritte als anspruchsvoll: Informationen aufschnappen, die für den Anlageerfolg ausschlaggebend sein können, und sie in die Anlagepolitik integrieren. Börsenrelevante Informationen gibt es zuhauf; die Medien – von der Tageszeitung bis zu Börsendiensten im Internet – wimmeln nur so vor ihnen.

Doch wie trennt man die Spreu vom Weizen? Hier kommt wieder der Zeitfaktor ins Spiel: Täglich das Thema Geld in Angriff nehmen, und sei es nur für ganz kurze Zeit. Dadurch festigt sich die eine oder andere Anlageidee; der Rest besteht im Pro oder Kontra, also kaufen oder verkaufen bzw. entscheiden oder warten.

Angst vor der eigenen Courage? Oder Gier, wenn die Aktienkurse nur einen Weg zu kennen scheinen, den nach oben? Vorsicht, zu solchen Gefühlsausbrüchen sollte es möglichst nie kommen! Da Menschen jedoch immer wieder von Gefühlen beherrscht werden, ist ein solche Postulat nicht immer zu beherzigen. Was kann man dagegen tun? Jede Anlageentscheidung möglichst eine Nacht überschlafen, zum advocatus diaboli werden, eine weitere Nacht überschlafen, danach Augen zu und durch. Der Hintergedanke zu dieser Empfehlung ist ziemlich simpel: Man entwickelt ein weiteres Gefühl, nämlich eines dafür, wie die Börse tickt.


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