Das Wort zum Wochenende: Täglich eine halbe Stunde für die Finanzen!


Nach zehn Jahren trügerischer Ruhe droht die Finanzwelt wieder aus den Fugen zu geraten. So etwas wiederholt sich in der Geldgeschichte immer wieder. Allerdings variieren sowohl die Auslöser als auch die Folgen. Dieses Mal erleben wir eine Häufung von Warnsignalen. Hier seien nur wenige genannt: Syrienkrieg mit offenem Ausgang, Handelsstreit zwischen den USA und China, anhaltender Wirbel um die Eskapaden von US-Präsident Donald Trump, Eskalation der globalen Schuldenkrise, drohende Inflation, Überbewertung der Aktien vor allem in den USA, Unklarheit über die kommende Geldpolitik der EZB nach dem Präsidentenwechsel im nächsten Jahr, Bankensterben in Europa, Dauerkrise der Deutschen Bank, Störfaktor Nordkorea, Dauerstreit in der Großen Koalition.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Was letzten Endes zum Auslöser an den Kapitalmärkten wird, bleibt offen. Anleger tun gut daran, die hier genannten und sonstigen Entwicklungen, die sich auf ihre Geldanlage auswirken könnten, laufend zu verfolgen. Dabei genügt es nicht, nur den Dax und den Dow Jones als Stimmungsindikatoren im Auge zu behalten oder an den Lippen von irgendwelchen Chefvolkswirten zu hängen. Vielmehr ist es wichtig, ausgehend vom eigenen Portfolio im weiteren Sinn – Konten, Wertpapiere, Vermögensaufbau, Altersvorsorge, Haus oder Wohnung, Finanzierung – das Geschehen in der Finanzwelt so intensiv wie möglich zu verfolgen.

Das kann über Printmedien und das Internet geschehen, kaum übers Fernsehen. Wer beruflich weniger mit der Geldanlage zu tun hat, wie der Großteil der Deutschen, sollte sich dennoch nicht scheuen, täglich wenigstens eine halbe Stunde für Überlegungen zu den eigenen Finanzen abzuzwacken. Wobei der Gedankenaustausch im Freundeskreis von Fall zu Fall sinnvoll sein kann. Ob auch Berater hinzugezogen werden sollen, hängt davon ab, um welche Art der Beratung es sich handelt. Leider ist der Großteil der Anlageberater auf den Verkauf von Finanzprodukten mit dem Schwerpunkt Fonds und Lebensversicherungen getrimmt – und bringt deshalb allzu oft mehr Schaden als Nutzen mit sich.

Über das Beobachten der Finanzmärkte hinaus sind eigene Erfahrungen Gold wert. Wir alle haben sie bereits auf irgendeine Weise gemacht, sei es mittels Nullzins-Sparbuch oder -Tagesgeldkonto, sei es mithilfe von Charts oder Aktientipps. Erfahrungen können, auch wenn sie negativ sind, von Nutzen sein – sofern man aus ihnen lernt. Wenn jemand jetzt Aktien zu immer noch sehr hohen Kursen kauft, ist die Enttäuschung nach dem nächsten Kurssturz zwar groß. Aber die meisten Anleger, die diesen Fehler begangen haben, machen sich über kurz oder lang bestimmt viele Gedanken über ihre Fehlentscheidung; Ignoranz ist da fehl am Platz. Daraus schöpfen sie Wissen und Erfahrung, was ihnen für die nächsten Engagements von Vorteil sein kann.

Wie spielt sich das Ganze psychologisch ab? Dazu wurden schon mehrere Karikaturen mit dieser Abfolge veröffentlicht: Hoffnung auf höhere Kurse, Nachkauf bei 10 Prozent Minus. Stoploss-Aufträge anderer Anleger lassen den Kurs weiter fallen. Nach 20 Prozent Minus „muss ja die Trendwende einsetzen, nachdem das Unternehmen positive Zahlen veröffentlicht hat“, sagt sich unser Anleger. Aber der Kurs steuert auf 30 Prozent Minus zu. Nach 40 Prozent Minus erscheint die Aktie so preiswert wie nie. Nur heißt es auf einmal, dass die Dividende ausfällt. Daraufhin beträgt der Kursverlust 50 Prozent. Entnervt verkauft unser Anleger und schwört sich: „Nie wieder Aktien!“ Der Kurs dreht nach oben. Reaktion: „Bestimmt nur ein Strohfeuer.“ Der Kurs steigt weiter. Die ganze Prozedur beginnt von Neuem, nur unter umgekehrten Vorzeichen.

In diesem Kontext stellt sich eine Frage, die alle Anleger für sich selbst beantworten sollten: Unter welchen Umständen ist es sinnvoll, Aktien mit Verlust zu verkaufen? Offenkundig nur dann, wenn die vorangegangenen Recherchen schlampig waren oder wenn das Management die Anleger betrogen hat. Nun sollte man meinen, Betrug sei allein schon wegen der Bilanzierungsvorschriften ausgeschlossen. Doch das ist ein Irrglaube, wie die Skandale diesseits und jenseits des Atlantiks gezeigt haben, von der Vielzahl asiatischer Skandale ganz zu schweigen.

In der Regel ist das Aussitzen von Kursverlusten die vernünftigere Variante – allerdings vorausgesetzt, man bringt genug Zeit mit und hat viel Geld auf der hohen Kante, um bei passender Gelegenheit nachzukaufen. Als sinnvoll hat sich das folgende Vorgehen erwiesen: Gründlich nachrecherchieren, den Kursverlauf penibel verfolgen und nach dem voraussichtlichen Ende des Kursrückgangs doppelt so viele Aktien zukaufen. Zugegeben, dazu gehört ein Timing-Kunststück. Wer jedoch genug Börsenerfahrung mitbringt, dem dürfte es im Großen und Ganzen gelingen.


Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: Gold und Silber – Klotzen statt Kleckern!