Das Wort zum Wochenende: Datenkrieg


Erst Bitcoin und über tausend weitere Kryptowährungen, jetzt die Digitalwährung Libra von Facebook – was ist da eigentlich los? Und warum möchte die amerikanische Regierung einschließlich ihrer Notenbank Fed dem ganzen Wirrwarr rund ums Geld am liebsten gleich ein Ende bereiten? Die Antworten sind schnell gefunden, doch kein Politiker und kein Notenbanker möchte sie offen aussprechen. Zur ersten Frage: Das auf Schulden basierende derzeitige Währungssystem – treffender Geldchaos genannt – bedarf wegen der riesigen Schuldenberge dringend einer durchgreifenden Reform. Je länger diese auf sich warten lässt, desto mehr Ersatzwährungen entstehen rund um den Globus. Zur zweiten Frage: Der Dollar wurde als internationale Leitwährung und als Zahlungsmittel im Lauf der Jahrzehnte immer wieder angegriffen. Zumindest mit dem Euro erwuchs ihm eine gewisse Konkurrenz, wenn es um das Bezahlen von Exporten und Importen ging.

Bliebe es dabei, könnten die Währungshüter in Washington, Frankfurt, London, Tokio und Peking weiter versuchen, das Chaos mit konventionellen Mitteln zu bändigen. Es ist indes höchste Zeit für unkonventionelle Maßnahmen. Das lässt sich allein schon aus der Vehemenz ableiten, mit der die amerikanische Regierung gegen Facebook in Sachen Libra vorgeht. Denn angenommen, Libra würde sich durchsetzen, Bitcoin kehrte nach dem jüngsten Rückschlag wieder auf den Expansionskurs zurück und weitere Digitalwährungen kämen hinzu. In diesem Fall dürfte das ganze Zahlungswesen durcheinander geraten, Ende offen.

Ein solcher Ausgang entspringt nicht etwa nur der Phantasie einiger warnender Politiker oder Notenbanker. Vielmehr erscheint er real, und zwar jenseits jeglicher Kryptowährungen. Das ergibt sich allein schon daraus, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) das Thema aufgegriffen hat, und zwar unter einem bestimmten Aspekt: Indem sie vor der Übermacht der sogenannten Big Techs warnt, wie Facebook, Amazon, Alipay und einigen weiteren. Mit ihrem Eintritt in den Markt für Finanzdienstleistungen entstehe ein neues komplexes Spannungsfeld zwischen Finanzstabilität, Wettbewerb und Datenschutz. Die BIZ schließt mit der Warnung: „Angesichts ihrer Dimension und Technologie eröffnen Big Techs die Möglichkeit, riesige Mengen an Daten nahezu kostenfrei zusammenzutragen.“

Wer Google anklickt, sollte sich dessen bewusst sein, dass seine/ihre Daten gespeichert und weiter nutzbar gemacht werden können. Wer über Facebook flirtet oder arg in die Privatsphäre reichende Bilder verschickt, muss damit rechnen, dass daraus für Facebook nutzbare Daten werden. Und wer über Amazon ein Buch bestellt, landet im Datenpool des Handelsriesen. Benedikt Herles hat das alles in seinem Buch „Zukunftsblind“ mit einem einzigen Satz auf den Punkt gebracht: „Google weiß, was wir denken, Facebook, was wir fühlen, und Amazon, was wir kaufen.“

Das Wachstum dieser drei und weiterer, vor allem chinesischer Internetkonzerne wie Tencent oder Baidu war in den vergangenen Jahrzehnten phänomenal. Ihre Wachstumskurven werden sich während der kommenden Jahre mathematisch bedingt zwar abschwächen, aber ihre Geschäftsmodelle werden ihnen weiterhin datenbasierte Geldquellen erschließen helfen. Die westlichen Regierungen und Notenbanken werden versuchen, die Geldmacht der amerikanischen Konzerne soweit wie möglich zu begrenzen. Und Chinas Regierung wird es darauf anlegen, die Daten chinesischer Konzerne für eigene Zwecke einzusetzen, etwa für die Überwachung ihrer Bevölkerung oder für die Expansion in andere Länder, etwa die sogenannte Seidenstraße entlang.

Geld war noch nie eine statische Größe, es wurde im Lauf der Geschichte immer wieder abgewertet oder sogar schon mal aufgewertet, wie die Mark im Vergleich zum Dollar während der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Geld wurde und wird weiterhin in den meisten Ländern manipuliert, um Varianten erweitert, wie Geld- und Kreditkarten oder aktuell Digitalwährungen.

Der Geldwert, gemessen an der Kaufkraft, unterliegt der Geldpolitik und darüber hinaus auch der Fiskalpolitik. Zum letzten Punkt ein aktuelles Beispiel: Die Staatsschulden schießen global in die Höhe. Wie der Finanzdienst Bloomberg ermitteln konnte, leidet weltweit bereits rund ein Viertel aller Staats- und Unternehmensanleihen unter Negativzinsen. Und sogar 85 Prozent aller deutschen Staatsanleihen haben eine negative Rendite. Wie wird das enden? Eher mit einem abrupten Knall als mit einer sanften, von den Schuldenmachern inszenierten Landung, weil zurzeit alle Welt „zukunftsblind“ zu sein scheint. Wer nicht zum Opfer des Knalls werden will, sollte sich durch die Streuung des Vermögens mit einem großen Anteil an Gold und Silber absichern.


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