Das Wort zum Wochenende: Häuserkampf


Die Mietpreisbremse verstoße nicht gegen das Grundgesetz, entschied das Bundesverfassungsgericht. Begründung: Es bestehe ein öffentliches Interesse daran, dass weniger betuchte Mieter nicht aus beliebten Stadtteilen verdrängt werden. Um welche Stadtteile es sich konkret handeln soll, bestimmen die Landesregierungen. Und als wenn das nicht vage genug ist, kommt noch allerhand Wenn und Aber hinzu: Zwar ist der Mietspiegel ausschlaggebend, wenn es um die Vergleichsmiete geht, aber es gebe Ausnehmen, etwa wenn Mieter einen Neubau bewohnen oder wenn eine Wohnung saniert wurde.

Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung hat bereits entschieden, dass die Mietpreisbremse verschärft und bis 2025 verlängert werden soll – der nächste Anlass für juristische Auseinandersetzungen. Der Vermieterverband Haus & Grund will das Bundesverfassungsgericht entscheiden lassen, ob die Verlängerung rechtens ist. Auf Mieter und Vermieter kommt also allerhand Ungemach zu. Immerhin geht es um nicht weniger als um die Frage, ob wir es beim Mietspiegel in der von den Verfassungsrichtern entschiedenen neuen Version mit einer Enteignung zu tun haben.

Mieter werden von nun an wahrscheinlich häufiger bereit sein, vor den Kadi zu ziehen, um ihre Rechte einzuklagen. Und Vermieter? Sie dürften hin und her gerissen sein. Insofern spricht der schon vor Monaten begonnene Abwärtstrend der Aktienkurse führender Wohnungskonzerne, wie Vonovia und Deutsche Wohnen, wahre Bände: Die Kurse nehmen vorweg, was den Vermietern droht, nämlich die Einschränkung ihrer Mietrenditen.

Und private Vermieter? Bei ihnen muss man unterscheiden: Wer über hohe Wohnungsbestände verfügt, dürfte über den Verkauf einiger oder sogar vieler Objekte nachdenken. Mehr aber wohl noch nicht. Denn eine Alternative, Zinsanlagen, ist ein Minusgeschäft mit offenem Ausgang. Und die andere Alternative, Aktien, erfordert sehr viel spezifisches Know-how, das die meisten Immobilieneigentümer nicht haben.

Böse enden könnte der jetzige Häuserkampf für einen anderen Teil der privaten Vermieter: Für solche, die im Extremfall nur ein Haus oder nur eine Eigentumswohnung besitzen und daraus womöglich einen Teil ihrer finanziellen Altersversorgung schöpfen. Falls ihre Mieter juristisch vorgehen, müssen sie selbst einen auf das Mietrecht spezialisierten Anwalt einsetzen, und schon schmilzt die Mietrendite dahin. Über solche Probleme haben die Verfassungsrichter offenbar nicht genug nachgedacht. Jedenfalls ist die Mietpreisbremse gerade dabei, die Atmosphäre zwischen Mietern und Vermietern zu vergiften.

Der Vollständigkeit halber sei hier angefügt, dass es noch eine weitere Alternative zu Immobilien gibt: das zwar zinslose, aber im Auftrieb befindliche Gold. Wenn Zinsanlagen Minuszinsen kosten, erscheint es sinnvoll, in Gold zu investieren: Am einfachsten, indem man einen seriösen Händler aufsucht (übers Internet zu finden) und bei ihm Barren oder Münzen kauft. Die Händler sollten in der Lage sein, Fragen nach Details zügig zu beantworten, etwa nach Verwahrungsarten, Steuern oder Geldwäschegrenzen.

Zuletzt wurde viel über eine Immobilienblase diskutiert und fabuliert. Ist sie jetzt geplatzt? Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Immerhin wissen wir, dass die Wohnungspreise in den Metropolen während der vergangenen Jahre stärker gestiegen sind als die Mieten. Demzufolge müssten entweder die Mieten nachziehen oder die Preise fallen – oder beides auf einmal. Da höhere Mieten nach der Entscheidung der Verfassungsrichter unwahrscheinlich sind, ist ein Preisverfall denkbar.

Doch dieses Fazit ist nicht allgemeingültig. Denn Metropolenpreise entwickeln sich nach anderen Gesetzmäßigkeiten als Preise auf dem Land. Setzt sich die Konjunkturschwäche fort, schlägt das unterschiedlich auf die Immobilienpreise durch, weil dann die Höhe des Leerstands zum entscheidenden Preiskriterium werden kann. Und in nächster Zeit wird sich herausstellen, wie viel spekulatives Geld in Immobilien steckt. Wird es abgezogen, kann der Preiseinbruch heftig sein.


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