Das Wort zum Wochenende: Umgang mit Vermögen


Wie auch immer man Vermögen dreht und wendet, ohne die persönliche Finanzplanung im Sinn einer in die Zukunft gerichteten Strategie gelingt kein Erhalt des Vermögens und erst recht nicht dessen Mehrung. Erfahrungsgemäß ist davon auszugehen, dass insbesondere vermögende Anleger ihre Finanzplanung routinemäßig entweder ihrem Steuerberater, einem Vermögensverwalter oder beiden überlassen. Das gilt besonders für Freiberufler wie Ärzte oder Architekten und für Unternehmer, die über Betriebsvermögen verfügen und sich intensiv mit ihrer Firma beschäftigen müssen. Für die adäquate Beschäftigung mit der privaten Vermögensanlage fehlt dann die Zeit.

Wie lässt sich dieses Problem lösen? Zweifellos nicht mit blindem Vertrauen in Anlageberater oder Immobilienmakler, weil deren Ziel allzu oft in der eigenen Ertragsmaximierung bestehen dürfte. Sondern indem man mindestens wöchentlich oder monatlich, in Sonderfällen auch außer der Reihe, selbst Zeit für die Beschäftigung mit dem eigenen Vermögen abzwackt. Diese Vorgehensweise umfasst individuelle wie auch allgemein gültige Faktoren.

Aktiv werden, lautet die Devise. Aber nicht etwa mittels Extrapolation von steigenden Immobilienpreisen und Aktienkursen oder Interpretation von Fondsergebnissen. Vielmehr durch gezielte Fragen an Makler und Berater aller Art, die mit Geld zu tun haben und einen seriösen Eindruck vermitteln. Das sollte ins eigene Zeitbudget passen. Die Entscheidung für eine bestimmte Vermögensanlage ist dann am besten im stillen Kämmerlein zu treffen, vorzugsweise unter Heranziehung der Ehefrau (des Ehemanns) und/oder der besten Freunde.

Vermögenserhalt und -mehrung, das bedeutet: Augen und Ohren offen halten, beobachten, strukturieren, entscheiden und timen. Dazu gehört auch die Spekulation, und zwar im Sinn der folgenden Interpretation, die aus dem 19. Jahrhundert stammt: „Spekulation ist diejenige geistige Tätigkeit, welche aus der Erfahrung der Vergangenheit und der Beobachtung der Gegenwart einen Schluss auf die Zukunft zieht.“ Der unter Börsianern geschätzte, vor zwei Jahrzehnten verstorbene Spekulant André Kostolany hätte es nicht treffender formulieren können.

Struktur und Timing sind für den Erhalt und die Mehrung des Vermögens entscheidend. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn Vermögen zu strukturieren, ist keine statische, sondern eine dynamische Aufgabe, die eine gewisse Flexibilität erfordert. Und mit dem Timing richtig zu liegen, ist geradezu eine Kunst, die sich nicht von heute auf morgen beherrschen lässt. Folglich kommt als weiterer Faktor das Management von Irrtümern hinzu.

Banken, Fondsgesellschaften, Finanzvertriebe und Immobilienmakler behaupten oft, solche Imponderabilien ließen sich bis zu einem gewissen Grad ausschalten. Dazu nur zwei Beispiele: das Cost Averaging und die vermeintliche Unschlagbarkeit von Aktien wie auch von Immobilien auf lange Sicht. Im ersten Fall geht es darum: Man investiert regelmäßig Geld in einen Aktienfonds, sodass bei niedrigen Kurse viele, bei hohen Kursen wenige Fondsanteile gekauft werden. Im zweiten Fall zieht man Statistiken heran (vorzugsweise solche aus deutschen Metropolen), die belegen sollen, dass es sich mit dem Kauf von Immobilien jederzeit gut schlafen lässt.

Die entscheidenden Denkfehler: Aktien und Aktienfonds sind zweierlei, weil Fondsnebenkosten gern unter den Tisch fallengelassen werden. Im Übrigen kommt es bei der Aktienanlage auf den richtigen Fonds und auf den Anlagehorizont an. Die meisten Immobilien sind Unikate, sodass sich Verallgemeinerungen in der Regel von selbst verbieten. Außerdem sorgt ein Gewirr an steuerlichen Vorschriften – von der Grunderwerbsteuer bis zur unterschiedlichen Besteuerung von selbst genutzten und vermieteten Immobilien – für jeweils unterschiedliche Ergebnisse.

Es gibt also keine allgemein gültigen Rezepte zum Umgang mit Vermögen. Ausschlaggebend sollten vielmehr die individuellen Gegebenheiten sein. Dies auch noch aus zwei aktuell besonders wichtigen Gründen: Weil Null- und Negativzinsen eine andere Vermögensstruktur erfordern als die über viele Jahrzehnte dominant gewesenen positiven Zinsen. Und weil die Welt sich in einer Phase der Disruption befindet. So nennt man den durch politische und soziale Veränderungen, durch künstliche Intelligenz und den Klimawandel hervorgerufenen weltweiten Umbruch.


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