Das Wort zum Wochenende: Aktien und Mittelstand, eine gelungene Kombination


Im Mai findet die Frühjahrskonferenz, im November das Eigenkapitalforum statt. In beiden Veranstaltungen offenbart der deutsche Mittelstand, was er kann, warum es dem einen Unternehmen besser geht als dem anderen, welche Chancen sich Anlegern eröffnen, wenn sie über den Kauf von Aktien mittelständisch geprägter Unternehmen profitieren wollen, und welche Risiken sie dabei eingehen.

Dieses Mal leitete Frank Fischer, Fondsmanager der börsennotierten Shareholder Value-Gruppe, die Veranstaltung ein. Er fand Lob für Washtec und SMT Scharf, zwei Aktien aus seinem Portfolio, und wandte sich gegen den zulasten der Anleger gehenden Größenwahn mancher Konzerne, deren Vorstände primär auf ihre finanziellen Vorteile bedacht sind. Dann ging es gleich mit drei Knallern weiter: FinTech Group, Masterflex, Mensch und Maschine. Während die beiden zuletzt Genannten bereits über eine relativ lange Historie verfügen, entwickelt sich FinTech mit Vollbanklizenz erst seit relativ kurzer Zeit zum erfolgreichen Schrecken der etablierten Banken und Broker. Je heftiger die Aktienkurse in beide Richtungen ausschlagen, desto höher steigt der FinTech-Gewinn. Sogar der Einstieg ins Geschäft mit Lebensversicherungen ist in der Pipeline.

Staramba ist ein Name, den Anleger sich merken sollten. Das Unternehmen schwört auf 3D-Brillen, mit denen man in die virtuelle Welt abtauchen und sogenannte Avatare bewundern kann. Das mag zunächst zwar nur auf Spiele fixierten Teenies und Twens interessant vorkommen, verdient aber durch die Beteiligung von Rolf Elgeti zusätzliche Aufmerksamkeit. Dieser Finanz-Tausendsassa wurde erst in London als Star-Analyst gefeiert, dann stieg er über sein Unternehmen TAG ins Geschäft mit deutschen Wohnimmobilien ein, und nun setzt er mit seiner Beteiligung an Staramba auf ein Team, zu dem neben Vorstandschef Christian Daudert unter anderem auch Fußballgrößen wie Fredi Bobic und Hasan Salihamidzic gehören.

Keine wichtige Veranstaltung zum Thema Mittelstand und Börse ohne paragon. Unumschränkter Chef ist hier Klaus Dieter Frers, der zusammen mit seiner Familie über 50 Prozent der paragon-Aktien hält. Das Unternehmen als eines unter vielen Zulieferern der Autoindustrie zu bezeichnen, wird ihm nicht gerecht. Denn mehr als die Hälfte seiner Mitarbeiter befasst sich mit Forschung und Entwicklung, gezielt auf Megatrends. Neben der Elektromobilität – hier hat paragon die Tochter Voltabox an die Börse gebracht – setzt Frers auf den Megatrend Verstädterung. Um den daraus entstehenden gesundheitlichen Schaden aus dicker Luft erst gar nicht entstehen zu lassen, bietet er Systeme zur Reinhaltung der Luft im Innenraum von Autos, aber auch von Bergbaumaschinen und Gabelstaplern an.

Ein brisanter Fall ist Co.don, Anbieter von Gelenkknorpelprodukten. Brisant deshalb, weil es um die Zulassung, die Kostenerstattung für solche Produkte und letztlich auch darum geht, ob kaputte Knochen nicht auch anders behandelt werden sollten. Da es sich fast schon um eine Volkskrankheit handelt – man denke nur an die vielen betroffenen Knie und Hüften –, ist auch sehr viel Geld im Spiel. Die Unsicherheit bezüglich der Kostenerstattung hat dazu geführt, dass der Co.don-Aktienkurs in knapp einem Jahr etwa um die Hälfte gefallen ist. Zwei Analysten raten aktuell zum Kauf der Aktie.

Unternehmen wie Berentzen geben der Frühjahrskonferenz zusätzlich Würze. Dieser Schnaps- und Getränkehersteller erfindet sich immer wieder neu. Er schleppt einerseits alte Marken wie Doornkaat oder Echt Stonsdorfer mit, während er andererseits mit dem Discounter Lidl mal eben eine Handelsmarke erfindet oder mit MioMio-Limonaden gegen etablierte Getränkekonzerne antritt. Sich neu zu erfinden, ist übrigens auch typisch für Leifheit, Hersteller von Haushaltsgeräten, der im nächsten Jahr sein 60. Jubiläum feiern wird. Über viele Jahre ohne Elektrogeräte ausgekommen, bietet er jetzt eine ganze Reihe von ihnen an; nach oben sind da keine Grenzen gesetzt.

So weit einige markante Beispiele für Mittelstandsaktien, das Ganze ohne Anspruch auf Repräsentativität. Zum Schluss sei noch eine spezielle mit besonders bewegter Vergangenheit erwähnt: Intershop Communications. Bevor der Firmenchef bei der Veranstaltung ins Detail ging, fragte er in die Runde, wer mit der Aktie schon Erfahrungen gesammelt hätte. Erstaunlich viele hoben die Hand. Es handelte sich um ein Überbleibsel aus der heißen Phase des Neuen Marktes. Und so schließt sich der Kreis zum Beginn dieses Beitrags. Denn die dort erwähnte Shareholder Value-Gruppe ist einer der Großaktionäre von Intershop Communications. Das kann als gutes Omen gelten, denn diese Gruppe hatte in den vergangenen Jahren beachtliche Anlageerfolge.


Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: Was haben die Fußballspieler Özil und Gündogan mit der Masseneinwanderung zu tun?