Das Wort zum Wochenende: Die große Gold-Spekulation


Die vergangenen Tage boten Anschauungsunterricht zum Gold und darüber hinaus zur Geldanlage im Allgemein wie schon lange nicht mehr. Gold geriet zum Spielball der Spekulation, die darin ihren Höhepunkt fand, dass die im Vergleich zum amerikanischen Dollar schwach gewordenen Währungen der Schwellen- und speziell der Rohstoffländer zusätzlich Druck erhielten. Grund: Börsianer zweifelten auf einmal an der Fähigkeit dieser Länder, ihre Dollar-Schulden zurückzahlen zu können. Extremes Beispiel: die bereits über den Schwellenstatus hinaus gewachsene Türkei, deren Währung Lira im Vergleich zum Dollar, zum Euro und weiteren Währungen abstürzte.

So weit die gängigen Begründungen, die schließlich darin gipfelten, dass der Goldpreis angeblich nur deshalb fiel, weil der Dollar stark war. Dass dessen Stärke, beispielsweise zum Euro als zweitwichtigster Weltwährung oder zum Schweizer Franken, nicht gerade überragend, sondern bloß marginal ausfiel, wurde einfach ignoriert.

Derweil bot sich beim Gold ein interessantes Spektakel: Spekulanten schafften es, seinen Preis mithilfe des Dollar-Arguments vorübergehend so sehr zu drücken, dass viele Glücksritter sich ihnen anschlossen. Die überwiegend prozyklischen Medien trugen ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. Das lächerliche Fazit bestand dann in dem Argument, Zentralbanken der Schwellenländer würden massenweise Gold verkaufen, um ihre Dollar-Schulden begleichen zu können – ein fadenscheiniges Argument, das vor allem den Spekulanten die Möglichkeit bieten sollte, ihre gegen das Gold gerichtete Anlagestrategie zu beenden und sich von nun an anderweitig zu betätigen.

Zugegeben, meine hier vorgetragenen Gedanken sind auch spekulativ. Doch sie entsprechen der Börsenlogik, die man sich wie folgt vorstellen kann: Großanleger, also Manager von Investmentbanken und Hedgefonds, reizen eine bestimmte Marktentwicklung aus, erzielen mit Glück und Geschick erkleckliche Gewinne, finden schließlich genug Nachahmer und überlassen denen die letzten Gewinnkrümel. Was die jüngste Spekulation gegen das Gold angeht, dürften wir uns jetzt am Ende einer solchen Entwicklung befinden.

Das heißt, falls Sie das Gefühl haben, noch nicht genug Gold zu besitzen, sollten Sie zugreifen. Wobei viele Anleger dafür erfahrungsgemäß erst mal eine psychologische Hemmschwelle überwinden müssen: Da ein niedriger Goldpreis, ähnlich wie ein niedriger Aktienkurs, ein gewisses Risikogefühl vermittelt (so wie ein hoher Goldpreis oder Aktienkurs ein Sicherheitsgefühl), gilt es, ganz rational zu handeln und Gefühle über Bord zu werfen.

Gold und Aktien (einschließlich Goldaktien) unterscheiden sich in einem Punkt gravierend: Während der Goldpreis – egal, in welcher Währung gerechnet – nie auf Null fallen kann, ist das mit Aktienkursen möglich, sobald Unternehmen pleite gehen. Daraus sollten Anleger die Hoffnung schöpfen, dass sie mit Käufen auf dem aktuellen Goldpreisniveau nicht viel falsch machen können. Wer zum Beispiel vor fünf Jahren Gold kaufte, als dessen Preis zeitweise ähnlich stark fiel wie in den vergangenen Wochen, muss sich weiter in Geduld üben, bis die Anlage von damals einen Gewinn abwirft. Die Zeitspanne bis dahin lässt sich allerdings verkürzen, indem man auf dem aktuell noch niedrigeren Preisniveau als vor fünf Jahren Gold nachkauft. In der Fondsbranche nennt man dieses Verfahren Cost Averaging, frei übersetzt: Durchschnittskostenprinzip.

Erfahrene Börsianer kennen diesen Spruch: Versuche nie, ein fallendes Messer zu fangen. Damit ist sinngemäß gemeint: Eine Aktie kann noch weiter fallen, auch wenn sie bereits mehr als 90 Prozent Verlust gebracht hat. Folglich sollte man sie nicht kaufen, solange ihr Kurs fällt. Denn das Durchschnittskostenprinzip führt dann für Anleger im Extremfall zum Totalverlust. Das kann mit Gold nie passieren, weil dessen Preis immer über Null steht, ganz egal, was mit ihm gerade geschieht und was insbesondere die Spekulanten mit ihm machen.

Zur Realisierung des Durchschnittskostenprinzips mit Gold ist natürlich der Einsatz von viel Liquidität erforderlich, und über die muss man verfügen. Ansonsten sei noch angemerkt, dass sich beim sukzessiven Goldkauf über mehrere Monate oder sogar Jahre nicht so sehr die regelmäßige Anlage, sondern eher das Zugreifen nach vorübergehend stärkeren Preisrückgängen empfiehlt, wie jetzt. Zum Schluss wieder der Hinweis auf mein neues elektronisches Buch:


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Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: Eine Lanze für Gold und Silber