Das Wort zum Wochenende: Auf ins Finanzdickicht!


Der Skandal um das ehemalige Dax-Unternehmen Wirecard wirft neben den für solche Fälle typischen Rechtsstreitigkeiten die Frage auf: Wie viel von einer bestimmten Aktie sollte man höchstens besitzen, ohne – wie so mancher Wirecard-Aktionär – den finanziellen Ruin zu riskieren? Die richtige Antwort hängt von allerlei Bedingungen ab, wie: vorhandenes Vermögen, Gewichtung, Erfahrungen mit Aktien, Risikobereitschaft, Streuung, zur Verfügung stehende Zeit für die Beschäftigung mit Aktien u.a.

Der Teufel steckt im Detail, wie allein schon die beiden folgenden Beispiele zeigen: Daytrader mit geringem Vermögen denken nicht im Traum an dessen Gewichtung; stattdessen jagen sie im Sekundenrhythmus Kultaktien wie Apple und Tesla, BioNTech und Moderna hinterher. Dagegen legen Multimillionäre größten Wert darauf, ihre Engagements auf klassische Anlagen zu verteilen: Das sind neben Aktien auch Immobilien, Edelmetalle, Anleihen und Geld auf Konten verschiedener Banken, das Ganze möglichst international gestreut. Und wer zur Gruppe der Mittelständler mit hohem Betriebsvermögen gehört, ist gut beraten, die Balance zwischen Betriebs- und Privatvermögen unter Berücksichtigung von Steuer- und Erbrecht aufrecht zu erhalten.

Um dahin zu gelangen, braucht man viel Zeit – die in den meisten Fällen leider nicht vorhanden ist. Es gilt also, wenigstens so viel Zeit für die Beschäftigung mit den eigenen Finanzen abzuknapsen, dass nicht die Gefahr besteht, falschen Beratern aufzusitzen. Von denen gibt es nämlich, aus Anlegersicht betrachtet, allzu viele. Und wie trifft man auf gute Berater? Durch ständiges Hinterfragen, Mundpropaganda, die Lektüre einschlägiger Zeitungen, Zeitschriften und Internetseiten. Dazu die überschlägige Kontrolle nach einem Quartal und die gründliche Kontrolle nach einem halben oder ganzen Jahr.

Das Problem dabei: Wie zum Beispiel ein Steuerberater nicht auch noch Spezialist für Kursmanipulationen mit Wirecard-Aktien sein kann, dürfte es dem Anlageberater einer Sparkasse in der Regel nicht gelingen, die Steuern seiner Kunden zu minimieren. Es gehört also zu den wichtigsten Aufgaben von Anlegern, in dieses Finanzdickicht einzudringen, um daraus einen möglichst großen Nutzen zu ziehen und Schäden zu vermeiden.

Der dazu erforderliche geistige und zeitliche Aufwand ist enorm, sodass sich niemand der Illusion hingeben sollte, mal eben eine perfekte Finanzplanung hinzubekommen. Oder um das Problem auf den Punkt zu bringen: Es kommt weniger darauf an, ein Optimum zu erzielen, das es in der Realität ohnehin nicht gibt, sondern große Fehler zu vermeiden, die mit hohen Verlusten verbunden sind.

Damit sind wir wieder bei den eingangs erwähnten, auf Aktien bezogenen Tugenden angelangt: Risikobereitschaft und Streuung.

Zum Thema Aktienrisiken gibt es eine Unzahl von vermeintlich wissenschaftlichen Erkenntnissen; diese sind zum größten Teil überflüssig, weil akademisch statt praktisch ausgerichtet. Das beginnt unter anderem mit der Random-Walk-These, die auf die Frage hinausläuft, ob Aktienkurse sich so ändern, dass ihre Veränderungen nicht prognostizierbar sind. Ein weiterer Höhepunkt der unter Akademikern geführten Diskussion zielt auf die strenge Effizienzthese ab, der zufolge, salopp formuliert, in Aktienkursen schon alles Wissen dieser Welt enthalten sein soll.

Aktienkurse sind nicht effizient, sonst wäre es nie und nimmer zum Wirecard-Skandal im negativen und zum gigantischen Kursanstieg der Tesla-Aktie im positiven Sinn gekommen. Daraus folgt: Anleger, die an der Börse mitmischen, können in vielen Fällen mithilfe ihres Sachverstands, am besten begleitet von einschlägigen Aktienerfahrungen und einem Gefühl für Kursentwicklungen, sogar mehr Erfolge erzielen als so manche Profis, die im Gegensatz zu privaten Anlegern unzählige bürokratische Hürden berücksichtigen müssen.

Eine Finanzplanung, in der die folgenden Merkmale berücksichtigt sind, hat die größten Chancen auf nachhaltigen Erfolg: altersspezifische Anlage, flexibles Timing, je nach Börsenentwicklung mal hoher, mal niedriger Baranteil, verschiedene Anlageklassen und deren Gewichtung, ständiges Verfolgen von Konjunktur und Börse, internationale Streuung, Abschätzen von Risiken, Steuern.


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