Das Wort zum Wochenende: Anlageberater, ein schillernder Beruf


In der aktuellen Ausgabe des Informationsdienstes elitebrief.de bin ich auf einen aus Anlegersicht interessanten Beitrag gestoßen: „Der Teufel mit den Kosten der Vermögensanlage“. Darin beschäftigt sich Reinhard N. Vennekold, Stiftungsmanager und Sachverständiger für Wertpapiere, mit einem allseits bekannten, von Banken, Sparkassen, Versicherern und sonstigen sogenannten Finanzdienstleistern jedoch allzu oft unter den Teppich gekehrten Phänomen: mit der schwammigen Grenze zwischen der Beratung und dem Verkauf von Wertpapieren.

Diese Grenze wird durch die in deutsches Recht umgesetzte MiFID II-Richtlinie zwar bis ins letzte juristische Detail abgehandelt, aber: „Leider können die wenigsten Privatanleger damit etwas anfangen“, meint Vennekold. Anleger müssten die Interessen ihrer Kunden wie auch die ihrer Arbeitgeber beachten. „Der unwissende vermögende Anleger ist nun leicht ein Opfer für den geschulten Berater. Handelt es sich bei den Anlageempfehlungen um Fonds, werden dem Kunden oftmals Ausgabeaufschläge in Höhe von bis zu 5% in Rechnung gestellt. Dazu kommen jedoch noch die Kosten des Fonds, die jährlich zwischen 1,5% und 2,5 % im Schnitt betragen.“

Wie ist alldem aus Anlegersicht beizukommen? Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: 1. Eine Auswahl an soliden Fonds inklusive ETFs selbst zusammenstellen oder mithilfe eines Beraters, der auch auf niedrige Kosten achtet, zusammenstellen lassen; darauf haben sich vor allem Fondsboutiquen spezialisiert. 2. Nach einer soliden Allfinanzberatung oder Vermögensverwaltung – oft mittels Mundpropaganda zu ermitteln – so lange suchen, bis die eigenen Ansprüche durchgesetzt sind; das ist etwas für reiche Anleger, unter ihnen besonders für die Menschenkenner. 3. Das Heft selbst in die Hand nehmen – was natürlich mit viel Zeitaufwand und mit umfangreichen Recherchen verbunden ist, aber nach längerer Eingewöhnung sogar Spaß machen kann.

Alle drei Methoden haben also Vorteile und Nachteile. Die Entscheidung für die erste, die zweite oder die dritte ist allein schon jeweils für sich gesehen ein geistiger Kraftakt. Dazu muss man sich zumindest diese Fragen stellen: Welches Ziel verfolge ich mit der Anlage? Ist mein Vermögen so strukturiert, dass es einer heftigen Wirtschaftskrise und einem Crash bei Aktien oder Immobilien standhält? Wie wäge ich Chancen und Risiken ab? Habe ich zu hohe Kredite? Will ich bei Entscheidungen mitreden oder überlasse ich alles einem Anlageberater meines Vertrauens (bzw. mehreren)? Was für steuerliche und rechtliche Aspekte muss ich beachten? Welche – offenen und versteckten – Kosten kommen auf mich zu?

Die Kosten der Anleger sind die Provisionen und sonstigen geldwerten Vorteile der Anlageberater, mal offen und fair ausgewiesen, mal so versteckt, dass man sie kaum auf Anhieb erkennen kann. Dementsprechend gibt es nicht den einen ausschließlichen Beraterberuf. Was ihn ausmacht, ist seine Vielfalt.

Dabei fing alles harmlos an: Ende der 50er Jahre wurden Preussag-Volksaktien ausgegeben, ihnen folgten Anfang 1960 VW-Volksaktien. Da gab es nicht viel zu beraten, denn was vom Staat kam, musste ja gut sein – so war jedenfalls die öffentliche Meinung. Bei VW gab es einen satten Kursgewinn, bei Preussag weniger.

In den 60er Jahren machte sich jenseits von Banken und Sparkassen, angetrieben durch die Absatzerfolge der dubiosen Fondsgesellschaft IOS, ein Beratertyp breit, den man im Nachhinein wohl treffender als Verkäufer bezeichnen würde. Konnte er gut verkaufen, sei es als ehemaliger Banker oder Versicherungsvertreter, sei es als Autohändler oder Apotheker, verdiente er sich die sprichwörtliche goldene Nase – und mit ihm sein Vorgesetzter. Dieses System brach 1970 in sich zusammen – allerdings nicht für immer, denn heute wird es in abgewandelter Form weiter praktiziert, nur halt MiFID II-gerecht mit juristischen Schnörkeln versehen.

Welche von den schon genannten drei Methoden Sie wählen, sollten Sie gezielt individuell bestimmen, also abhängig von Ihren persönlichen Anlagezielen. Lassen Sie sich keine Ziele vorschreiben, denn das ist eine Masche der ganzen Finanzbranche. Dabei wird besonders gern geworben mit Begriffen wie Sicherheit, Altersvorsorge und, beim aktuellen Siegeszug der Grünen kaum verwunderlich: Nachhaltigkeit. Zu guter Letzt: Vor jeder Entscheidung für eine(n) Berater)in) empfiehlt sich das Abarbeiten eines Fragebogens – so lange, bis er/sie alle Fragen beantwortet hat.


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