Das Wort zum Wochenende: Durcheinander ab ins Alter!


Am vergangenen Mittwoch ging eine bemerkenswerte Zahl durch die Medien: Bundesbürger haben nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank zum ersten Mal mehr als 6 Billionen (sagenhafte 6000 Milliarden) Euro auf der hohen Kante liegen. Sprich, in Geldwerten, also auf Spar-, Tagesgeld-und Festgeldkonten, in Lebensversicherungen, Fonds, Anleihen u.a. Es handelt sich allein um privates Geld, ohne Immobilien, ohne Betriebsvermögen. Den größten Teil machen Konten und Lebensversicherungen aus. Zieht man von deren Bruttoerträgen die aktuelle Inflationsrate (in Deutschland 1,9 Prozent) und Nebenkosten (Provisionen, Gebühren, Transaktionskosten und nicht zuletzt auch Steuern) ab, bleibt real nichts übrig, rutscht ein Großteil der Sparer sogar ins Minus.

Daraus erklärt sich unter anderem eine erschreckende Zahl, die der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken veröffentlicht hat: 29 Prozent der Bundesbürger sparen erst gar nicht. Und um die bedrohlichen Daten komplett zu machen: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts hat sich der Anteil der 65- bis 69-Jährigen, die nebenbei arbeiten, in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, vor allem, weil die Rente nicht ausreicht. Es handelt sich allenthalben um Trends, die nicht so einfach von heute auf morgen umkehrbar sind.

Die finanzielle Vorsorge fürs Alter ist ein einziger Flickenteppich. Dazu nur drei Beispiele. Erstens: Die Große Koalition hat mal eben die gesetzliche Rente mit 63 eingeführt und obendrein die Mütterrente dazugepackt – reine Klientelpolitik. Zweitens: Seit Jahresbeginn gilt die doppelte Haltelinie. Das heißt: Das Rentenniveau von 48 Prozent wird bis 2025 festgeschrieben, und die Beiträge dürfen bis dahin nicht über 20 Prozent des Bruttoverdienstes bzw. der Bemessungsgrenze steigen. Drittens: Arbeitnehmer – nicht dagegen Arbeitgeber – können seit Jahresbeginn Teile ihres Gehalts in Pensionsfonds, Pensionskassen oder Direktversicherungen einzahlen. Dafür erhalten sie von ihren Arbeitgebern 15 Prozent der Einzahlungen als Zuschuss zur betrieblichen Altersversorgung.

Diesen drei Beispielen ließen sich locker viele weitere hinzufügen, die belegen, mit was für einem Durcheinander wir es zu tun haben. Abhilfe? Fehlanzeige, jedenfalls so lange, wie die auf die nächsten Wahlen schielenden Politiker und die sie unter Druck setzenden Lobbyisten aus der Finanzwelt unter sich ausmachen, was für die Bürger angeblich gut sein soll. Also Fehlanzeige bis zum Sankt-Nimmerleinstag.

Szenenwechsel: Als Friedrich Merz im Kampf um die CDU-Vorherrschaft die Altersvorsorge mit Aktien ins Spiel brachte, beging er wahrscheinlich einen taktischen Fehler, der ihn womöglich die entscheidenden Wählerstimmen seitens der CDU-Mitglieder kostete. Denn für die meisten Bundesbürger gelten Aktien spätestens seit dem Telekom-Skandal und den Exzessen am Neuen Markt vor 20 Jahren – beide wirken bis heute nach – als zu spekulativ, ja sogar als unseriös. Da mag es noch so überzeugende Gegenargumente geben, wie langfristige Ergebnisse belegen. Doch allein schon die kurz- bis mittelfristigen Kursschwankungen sind den Bundesbürgern nicht geheuer.

Seit sich herumgesprochen hat, dass gemanagte Aktienfonds überwiegend schlechter abschneiden als Indexfonds, werden diese von vielen Anlegern bevorzugt. Zumindest so lange, bis der nächste Crash auch sie in die Tiefe reißt. Einen Vorgeschmack davon gibt es bereits seit dem vergangenen Jahr. Indexfonds sind keine Anlagen, die risikolose Gewinne produzieren. Sie nur deshalb zu favorisieren, weil ihre Gebühren und Provisionen vergleichsweise niedrig sind, kann zu herben Enttäuschungen führen.

Wie also sieht die ideale Vorsorge fürs Alter unter Beachtung der hier genannten Argumente aus? Auf jeden Fall anders, als die eingangs erwähnten 6 Billionen Euro auf der hohen Kante suggerieren. Die gesetzliche Rente bildet eine solide Basis, weil der Staat sie im Zweifel aus politischen Gründen mit hohen Steuereinnahmen weiter subventionieren wird. Konten aller Art sind als liquides Sicherheitspolster nicht zu verachten, mehr nicht. Zur Altersvorsorge sind sie ebenso wenig geeignet wie Kapitallebensversicherungen. Die betriebliche Altersversorgung nimmt man mit, sofern sie sich nach Einschaltung eines mathematisch gewandten Spezialisten des Arbeitgebers rechnet. Eine selbst bewohnte Immobilie ist nicht zu verachten, sofern sie kein Klumpenrisiko bildet. Dagegen ist bei vermieteten Immobilien derzeit Vorsicht angebracht, weil sie unter dem Strich keine akzeptablen Renditen abwerfen. Aktien, sukzessive angelegt, können sich als ideale Vorsorge entpuppen. Doch dazu gehören umfangreiche Recherchen, viel Erfahrung und starke Nerven. In diesem Sinn viel Glück!


Ab Sonntagmorgen auf goldseiten.de: Das Glücksspiel um Deutsche Bank und Commerzbank